Neurofeedback bei ADHS & Konzentrationsproblemen
Aufmerksamkeit halten, Reize filtern und Impulse regulieren können bei ADHS besondere Herausforderungen darstellen.
Neurofeedback ist ein EEG-basiertes Trainingsverfahren, bei dem ausgewählte Muster der Gehirnaktivität sichtbar gemacht und unmittelbar zurückgemeldet werden.
In unserer Privatpraxis in Königs Wusterhausen kann Neurofeedback bei Bedarf mit psychotherapeutischen Verfahren kombiniert werden.
Neurofeedback kann bei ADHS als ergänzendes Trainingsverfahren eingesetzt werden. Dabei wird EEG-Aktivität gemessen und unmittelbar zurückgemeldet.
Trainingsziele können beispielsweise Aufmerksamkeit, Aktivierungsregulation und Selbstregulation betreffen. Welche Form des Trainings sinnvoll ist, hängt von der individuellen Ausgangssituation ab.
ADHS ist mehr als Konzentrationsschwäche
ADHS kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Konzentrationsprobleme sind nur ein möglicher Teil des Beschwerdebildes.
Je nach Person können Schwierigkeiten bei Aufmerksamkeit, Impulskontrolle, Aktivierungsregulation, Organisation oder emotionaler Selbstregulation auftreten.
Aufmerksamkeit
Eine Aufgabe über längere Zeit fokussiert zu bearbeiten oder die Aufmerksamkeit gezielt zu lenken, kann erschwert sein.
Impulsregulation
Reaktionen können schneller erfolgen, als eine Situation bewusst bewertet oder eine Handlung geplant wurde.
Aktivierungsregulation
Manche Betroffene erleben starke innere Unruhe, andere Schwierigkeiten, sich für Aufgaben ausreichend zu aktivieren und fokussiert zu bleiben.
EEG bei ADS / ADHS: Theta, Beta und HiBeta
In der ursprünglichen Neurofeedback-Darstellung unserer Praxis wurden drei Frequenzbereiche besonders betrachtet: Theta, Beta und HiBeta.
Die folgende EEG-Darstellung stammt aus der ursprünglichen Neurofeedback-Seite und zeigt beispielhaft einen Verlauf, wie er dort für einen ADS-/ADHS-Mischtyp dargestellt wurde.
Beispielhafte EEG-Darstellung aus der ursprünglichen Neurofeedback-Seite. Eine solche Darstellung ist nicht allein zur Diagnose einer ADHS geeignet.
Theta · Blau
Theta bezeichnet einen langsameren EEG-Frequenzbereich. Theta-Aktivität wird unter anderem mit Zuständen geringerer Aktivierung, Tagträumen und bestimmten Schlafphasen in Verbindung gebracht.
Beta · Braun
Beta-Aktivität gehört zu den schnelleren Frequenzbereichen und wird unter anderem im Zusammenhang mit Wachheit, gerichteter Aufmerksamkeit und aktiver Informationsverarbeitung betrachtet.
HiBeta · Rot
HiBeta bezeichnet einen höheren Beta-Frequenzbereich. Er kann im Neurofeedback-Kontext unter anderem im Zusammenhang mit hoher Aktivierung und Anspannung betrachtet werden.
Beim Neurofeedback werden Frequenzbereiche nicht einfach nach dem Prinzip „gut“ oder „schlecht“ bewertet. Von Interesse können vielmehr ihre Ausprägung, ihr zeitlicher Verlauf, das Verhältnis verschiedener Frequenzbereiche zueinander sowie das individuelle Trainingsziel sein.
Warum ist das Verhältnis der Frequenzen interessant?
In der ursprünglichen Darstellung unserer Praxis war beim gezeigten ADS-/ADHS-Beispiel die Theta-Aktivität im Verhältnis zur Beta-Aktivität erhöht. Zusätzlich wurde eine erhöhte HiBeta-Aktivität dargestellt.
Die Kurven verliefen in diesem Beispiel nicht parallel. Genau diese Relation verschiedener Frequenzbereiche war Bestandteil der ursprünglichen Erklärung.
Ein solches Muster bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Person ADHS hat. EEG-Muster unterscheiden sich individuell und müssen immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Fragestellung betrachtet werden.
ADHS-Beispiel und Referenzdarstellung im Vergleich
Besonders verständlich werden EEG-Frequenzen, wenn unterschiedliche Verläufe nebeneinander betrachtet werden. Deshalb zeigen wir hier das ursprüngliche ADHS-Beispiel zusammen mit der Referenzdarstellung aus dem früheren Neurofeedback-Material unserer Praxis.
Beispiel ADS / ADHS
Darstellung aus dem ursprünglichen Neurofeedback-Material der Praxis.
Referenzdarstellung
Ursprüngliche Vergleichsdarstellung eines ausgewogeneren Verhältnisses verschiedener Frequenzbereiche.
Was lässt sich im Vergleich erkennen?
In der ADHS-Beispieldarstellung fällt insbesondere das Verhältnis von Theta, Beta und HiBeta anders aus als in der Referenzdarstellung. Solche Relationen können beim Neurofeedback für die Auswahl und Anpassung eines Trainingsprotokolls betrachtet werden.
Die Abbildungen sind jedoch keine diagnostischen Normkurven. Ein EEG-Verlauf allein erlaubt keine ADHS-Diagnose.
Was kann beim Neurofeedback trainiert werden?
Beim Neurofeedback werden EEG-Signale in Echtzeit verarbeitet. Die trainierende Person erhält beispielsweise über eine Animation, einen Film oder ein akustisches Signal eine unmittelbare Rückmeldung.
Je nach Ausgangsmessung und Trainingsziel können bestimmte Frequenzbereiche im Feedback unterschiedlich berücksichtigt werden.
Bei einem entsprechenden Trainingsprotokoll kann beispielsweise darauf hingearbeitet werden, erhöhte HiBeta-Aktivität zu reduzieren und Beta-Aktivität zu fördern.
Ziel ist dabei nicht, eine bestimmte EEG-Kurve „normal zu machen“, sondern Regulationsprozesse zu trainieren, die für Aufmerksamkeit und einen angemessenen Aktivierungszustand relevant sein können.
- Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten
- einen angemessenen Aktivierungszustand trainieren
- zwischen Anspannung und Regulation besser wechseln
- Ablenkungen bewusster wahrnehmen
- Selbstregulation und Impulskontrolle unterstützen
Misst Neurofeedback nur, oder wird das Gehirn stimuliert?
Die beim Neurofeedback verwendeten EEG-Sensoren messen die elektrische Aktivität an der Kopfhaut.
Sie geben selbst keinen elektrischen Strom an das Gehirn ab. Die gemessene Aktivität wird von der Software verarbeitet und als Feedback sichtbar oder hörbar gemacht.
Neurofeedback ist daher ein Feedback- und Trainingsverfahren und nicht mit einer elektrischen Hirnstimulation gleichzusetzen.
Konzentrationsprobleme bedeuten nicht automatisch ADHS
Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Konzentration können unterschiedliche Ursachen haben.
Auch Schlafmangel, chronischer Stress, Erschöpfung, psychische Belastungen oder eine dauerhaft hohe Reizbelastung können die Konzentrationsfähigkeit beeinflussen.
Deshalb betrachten wir vor dem Training nicht nur einzelne EEG-Werte, sondern die individuelle Ausgangssituation.
Beispielhafter Behandlungsplan bei ADHS & Konzentrationsproblemen
ADHS und Konzentrationsprobleme können sich sehr unterschiedlich zeigen. Deshalb arbeiten wir nicht mit einem starren Standardprotokoll. Der folgende Ablauf zeigt, wie EEG-Messung, Neurofeedback und psychotherapeutische Verfahren in unserer Praxis miteinander verbunden werden können.
Von der Ausgangsmessung zur besseren Selbstregulation
Verstehen · Messen · Trainieren · Übertragen · Überprüfen
Anamnese & persönliche Zielklärung
Zunächst betrachten wir, welche Schwierigkeiten tatsächlich im Vordergrund stehen. Geht es vor allem um Konzentration, Ablenkbarkeit, Impulsivität, innere Unruhe, Organisation oder um Schwierigkeiten, sich für Aufgaben ausreichend zu aktivieren?
Vorhandene Diagnostik, bisherige Behandlungen, Medikamente, Alltagssituation und persönliche Trainingsziele werden in die Planung einbezogen.
EEG-Aktivität & Frequenzverhältnisse betrachten
Ausgewählte EEG-Aktivität wird erfasst und gemeinsam mit den übrigen Informationen betrachtet. Je nach Fragestellung können dabei beispielsweise Theta, Beta und HiBeta von Interesse sein.
Dabei geht es nicht darum, anhand einer einzelnen Gehirnwelle ADHS festzustellen. Die Messung dient vielmehr dazu, eine individuelle Ausgangssituation für das Training zu erfassen.
Individuelles Neurofeedback-Protokoll
Auf Grundlage der Ausgangssituation und der vereinbarten Ziele wird das Neurofeedback-Training individuell festgelegt.
Während des Trainings erhält die trainierende Person unmittelbar Rückmeldung über ausgewählte EEG-Aktivität, beispielsweise über einen Film, eine Animation oder ein akustisches Signal.
Bei einem entsprechenden Ausgangsmuster kann beispielsweise die Regulation von Theta-, Beta- und HiBeta-Aktivität Bestandteil des Trainings sein.
Erste Verlaufskontrolle
Bereits nach etwa fünf Neurofeedback-Sitzungen schauen wir gemeinsam, wie Sie auf das Training reagieren und ob sich erste Veränderungen zeigen.
Dabei betrachten wir nicht nur die EEG-Daten, sondern vor allem die Entwicklung im Alltag: Gibt es Veränderungen bei Konzentration, Aufmerksamkeit, innerer Unruhe, Aktivierungsregulation oder subjektivem Erleben?
Diese frühe Verlaufskontrolle hilft uns einzuschätzen, ob das gewählte Trainingsprotokoll zur individuellen Ausgangssituation passt oder angepasst werden sollte.
Neurofeedback festigen & in den Alltag übertragen
Wenn das Training passend erscheint, wird es fortgeführt und entsprechend der individuellen Entwicklung angepasst.
Entscheidend ist nicht eine möglichst „schöne“ EEG-Kurve, sondern ob die trainierten Regulationsprozesse zunehmend auch außerhalb der Trainingssituation verfügbar werden.
Deshalb betrachten wir beispielsweise Konzentrationsfähigkeit, Ablenkbarkeit, Impulsregulation, innere Unruhe und den Umgang mit alltäglichen Anforderungen.
Veränderungen überprüfen & stabilisieren
Im weiteren Verlauf überprüfen wir regelmäßig, welche Veränderungen erreicht wurden und welche Trainingsziele weiterhin relevant sind.
Neben Veränderungen im Alltag können bei Bedarf auch EEG-Daten erneut betrachtet und mit der Ausgangssituation verglichen werden.
Auf dieser Grundlage wird entschieden, ob das Training fortgeführt, verändert oder schrittweise abgeschlossen wird.
Wie viele Neurofeedback-Sitzungen planen wir?
Häufig planen wir zunächst einen Trainingsverlauf von etwa 20 bis 40 Neurofeedback-Sitzungen. Die tatsächlich sinnvolle Anzahl kann individuell unterschiedlich sein.
Bereits nach etwa fünf Sitzungen erfolgt eine erste Verlaufskontrolle. Dabei prüfen wir, wie Sie auf das Training reagieren und ob sich erste Veränderungen bei Regulation, Aufmerksamkeit oder im subjektiven Erleben zeigen.
Diese Zwischenbilanz dient auch dazu, das gewählte Trainingsprotokoll zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Die weitere Trainingsdauer richtet sich anschließend nach dem individuellen Verlauf und den vereinbarten Zielen.
ADHS im Konzept der Neuro-Psycho-Modulation
Neurofeedback ist in unserer Praxis nicht zwangsläufig eine isolierte Maßnahme.
Im Rahmen der Neuro-Psycho-Modulation (NPM) können neurophysiologische und psychotherapeutische Ansätze miteinander verbunden werden.
Aufmerksamkeit und Selbstregulation werden nicht ausschließlich durch EEG-Aktivität bestimmt. Auch Stress, Gedanken, emotionale Belastungen, Gewohnheiten, Schlaf und Verhaltensmuster können relevant sein.
Welche Bausteine sinnvoll sind, richtet sich nach dem individuellen Anliegen.
Neurofeedback und ADHS-Medikamente
Neurofeedback sollte nicht eigenständig als Ersatz für eine ärztlich verordnete medikamentöse Behandlung betrachtet werden.
Werden Medikamente gegen ADHS eingenommen, sollten Veränderungen der Medikation ausschließlich mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Weitere Neurofeedback-Themen
Häufige Fragen zu Neurofeedback bei ADHS
Welche Gehirnwellen spielen bei Neurofeedback und ADHS eine Rolle?
Je nach Neurofeedback-Protokoll können unterschiedliche Frequenzbereiche betrachtet werden. In der hier gezeigten Darstellung stehen insbesondere Theta, Beta und HiBeta im Mittelpunkt. Entscheidend ist jedoch nicht eine einzelne Frequenz, sondern die individuelle Ausgangssituation und das jeweilige Trainingsziel.
Was bedeutet Theta beim Neurofeedback?
Theta bezeichnet einen langsameren EEG-Frequenzbereich. Theta-Aktivität wird unter anderem im Zusammenhang mit niedrigerer Aktivierung, Tagträumen und bestimmten Schlafzuständen betrachtet. Die Bedeutung hängt jedoch vom Messkontext und weiteren EEG-Parametern ab.
Was bedeutet Beta beim Neurofeedback?
Beta gehört zu den schnelleren EEG-Frequenzbereichen. Beta-Aktivität wird unter anderem mit Wachheit, gerichteter Aufmerksamkeit und aktiver Verarbeitung in Verbindung gebracht.
Was bedeutet HiBeta?
HiBeta bezeichnet einen höheren Beta-Frequenzbereich. Im Neurofeedback kann dieser Bereich unter anderem im Zusammenhang mit hoher Aktivierung und Anspannung betrachtet werden. Eine erhöhte HiBeta-Aktivität allein erlaubt jedoch keine Diagnose.
Kann man ADHS im EEG erkennen?
Ein EEG allein stellt keine ADHS-Diagnose. EEG-Muster können individuell unterschiedlich sein. Die Diagnose ADHS erfordert eine umfassende diagnostische Beurteilung der Symptome und ihrer Auswirkungen.
Wie läuft die Behandlung bei ADHS ab?
Der Ablauf wird individuell festgelegt. Nach Anamnese, Zielklärung und einer EEG-basierten Ausgangsmessung beginnt das individuelle Neurofeedback-Training. Nach etwa fünf Sitzungen erfolgt eine erste Verlaufskontrolle. Anschließend wird das Training abhängig von der individuellen Reaktion fortgeführt und angepasst.
Wie viele Neurofeedback-Sitzungen sind bei ADHS sinnvoll?
Häufig planen wir einen Trainingsverlauf von etwa 20 bis 40 Sitzungen. Bereits nach ungefähr fünf Sitzungen erfolgt eine erste Verlaufskontrolle, bei der wir prüfen, wie Sie auf das Training reagieren und ob das gewählte Trainingsprotokoll angepasst werden sollte. Die tatsächlich sinnvolle Gesamtzahl richtet sich nach dem individuellen Verlauf und den vereinbarten Zielen.
Gibt Neurofeedback Strom an das Gehirn ab?
Nein. Die EEG-Sensoren messen elektrische Aktivität an der Kopfhaut. Sie geben selbst keine elektrischen Impulse an das Gehirn ab.
Wo wird Neurofeedback bei ADHS angeboten?
Neurofeedback bieten wir in unserer Privatpraxis in Königs Wusterhausen an. Vorab kann ein kostenloses 15-minütiges Kennenlernen vereinbart werden.
Passt Neurofeedback zu Ihrem Anliegen?
Wenn Sie Neurofeedback bei ADHS oder Konzentrationsproblemen kennenlernen möchten, können wir zunächst besprechen, welche Schwierigkeiten im Vordergrund stehen und ob Neurofeedback für Ihre Situation grundsätzlich infrage kommen könnte.
15 Minuten kostenlos kennenlernen